Gelsenkirchen/Iserlohn/Siegen – 10. Januar 2019

Seit einigen Jahrzehnten ist die stetig zunehmende Ausbreitung grampositiver nosokomialer Infekti-onserreger ein bekanntes Problem in vielen Krankenhäusern. In den letzten Jahren konnte darüber hinaus ein erheblicher Zuwachs der Resistenzen bei gramnegativen Stäbchenbakterien beobachtet werden. Der Grund für diese stark steigende Fallzahl liegt jedoch nicht in der klonalen Verbreitung einzelner Spezies und einzelner Resistenzmechanismen. Es handelt sich vielmehr um einen multifaktoriellen Vorgang, bei dem unterschiedliche gramnegative Bakterienspezies mit verschiedenen Resistenzmechanismen (z. B. ESBL, AmpC, Hyper-expressionsmechanismen) betroffen sind.

Um die teils schwerwiegenden klinischen Konsequenzen dieser Entwicklung einzudämmen, hat die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) eine umfassende Empfehlung zum Umgang mit infizierten oder durch multiresistente gramnegative Stäbchen besiedelten Patienten erstellt. Im Rahmen des Bundesgesundheitsblattes 2012, 55:1311-1354 wurden zahlreiche Handlungsempfehlungen für Hygienemaßnahmen veröffentlicht.

Unabhängig von ihrem spezifischen Resis-tenzmechanismus werden die gramnegativen Multiresistenzen in der Empfehlung nach hygienerelevanten und therapeutischen Gesichtspunkten eingeteilt. Unterschieden wird hierbei zwischen Erregern mit Resistenzen gegen drei der vier (3MRGN) und Erregern mit Resistenzen gegen alle vier (4MRGN) therapeutisch relevanten Hauptantibiotikagruppen. In der nebenstehenden Tabelle finden sich Beispiele für die Eingruppierung gramnegativer Stäbchen (weitere Informationen im Bundesgesundheitsblatt).

Diese Empfehlung richtet sich derzeit noch in erster Linie an Träger und Mitarbeiter von Krankenhäusern sowie anderen medizinischen Einrichtungen. Für Pflegeeinrichtungen werden aktuell noch keine gesonderten Empfehlungen gegeben, die über die bekannten Maßnahmen zum Umgang mit MRSA-positiven Heimbewohnern hinausgehen.